Innovationen in der Wirtschaft: Staatliche Rahmenbedingungen schlecht, Personal vorhanden, Kapital knapp

„Die Niedersächsische Wirtschaft investiert in Forschung und Entwicklung und ist wesentlicher Impulsgeber für Innovationen. In den ersten drei Monaten der Corona-Pandemie hat sich die Innovationstätigkeit in der niedersächsischen Industrie gleichbleibend gut oder sogar positiver entwickelt: Der Umfang von Forschung und Entwicklungsaktivitäten (FuE) blieb in über der Hälfte der Unternehmen unverändert und in mehr als jedem vierten produzierenden Unternehmen hat er sogar zugenommen. Eine positive Einschätzung gibt es auch für die Zukunft: Rund 42 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, ihre FuE-Aktivitäten in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen. Sorge bereiten jedoch die staatlichen Rahmenbedingungen.“ Dies erklärte Anke Schweda, Federführerin Innovation der IHK Niedersachsen (IHKN), anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse einer aktuellen Kurzumfrage der niedersächsischen IHKs. Landesweit nahmen im Juli 2020 rund 200 Unternehmen, insbesondere aus der Industrie und industrienahe Dienstleister mit bis zu 500 Beschäftigten daran teil.
Allerdings fühlen sich 90 Prozent der Unternehmen durch die staatlichen Rahmenbedingungen in ihrer Innovationsfähigkeit eingeschränkt. Nur knapp 12 Prozent bewerten diese als „gut“. Bei den Faktoren Kapital und Personal sieht fast jedes zweite Unternehmen weitere Optimierungsbedarfe. So erwartet ein Viertel der Umfrageteilnehmer mit Blick auf die kommenden zwölf Monate eine Verschlechterung der Kapitalausstattung für ihre Innovationsaktivitäten. Deutlich positiv gestimmt zeigen sich die Umfrageteilnehmer beim Thema qualifiziertes Personal: Während jedes zweite die aktuelle Situation bereits als „gut“ einstuft, sagt rund ein Viertel auch für die Zukunft eine Verbesserung voraus. Keine großen Hoffnungen haben die Unternehmen, dass sich die staatlichen Rahmenbedingungen kurzfristig bessern könnten.
„Die Krise bietet uns trotz aller Einschränkungen auch Chancen. Unsere Umfrage zeigt, dass viele Unternehmen die auftragsärmere Zeit bereits für Forschung und Entwicklung nutzen. Doch Einfallsreichtum und Kreativität reichen nicht, wenn das notwendige Kapital fehlt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um innovative Impulse zu setzen und die richtigen Lehren zu ziehen. Denn es sind unsere Unternehmerinnen und Unternehmer, die uns durch neue technologische Verfahren, Produkte und Dienstleistungen Fortschritt und Wachstum sichern. Und mit den richtigen Rahmenbedingungen werden sie uns aus dieser Krise auch wieder herausführen“, adressiert Schweda an die Politik.
Staatliche Rahmenbedingungen, die es aus Sicht der Unternehmen bei Forschung und Entwicklung zu verbessern gilt, sind:
  • Transparenz bei Fördermöglichkeiten erhöhen und harmonisieren,
  • Antragstellung bei Förderprogrammen vereinfachen,
  • Förderzusagen beschleunigen,
  • vorzeitigen Maßnahmenbeginn ermöglichen,
  • finanzielle Abwicklung vereinfachen und beschleunigen und
  • hohe bürokratische Anforderungen bei Genehmigungs und Zulassungsverfahren abbauen.
Die IHKN wird die Innovationsfähigkeit Niedersachsens in den kommenden Monaten weiter analysieren und Handlungsempfehlungen erarbeiten. Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für November 2020 geplant.
Die Ergebnisse dieser IHKN-Kurzumfrage finden Sie übersichtlich zusammengefasst hier oder in der Spalte rechts zum Download.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, IHK für Ostfriesland und Papenburg sowie IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum. Sie vertritt rund 495.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.
*Hannover, 19.8.2020*