Konjunktureller Stillstand mit Hoffnungsschimmer

IHK-Konjunkturumfrage für Niedersachsen

Hannover, 16.01.2026
Die Konjunktur verharrt auf niedrigem Niveau. Die ersten Maßnahmen der neuen Bundesregierung zeigen bislang wenig konjunkturelle Effekte. „Wir erwarten allerdings eine allmähliche Belebung der Konjunktur, da die Auftragseingänge zu-nehmen. Für ein stärkeres Wachstum brauchen die Unternehmen aber spürbare Erleichterungen bei Steuern, Lohnnebenkosten und Bürokratie – und zwar sofort. Die To-Do-Liste der Politik bleibt für 2026 lang“, so Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen. Die Geschäftslage und die Erwartungen haben sich auch im vierten Quartal nicht verbessert. Der IHK-Konjunkturklimaindikator für das vierte Quartal 2025 verbleibt unverändert bei 85 Punkten. Das ergab die Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handels­kammern bei knapp 2.200 Unternehmen.
Die aktuelle Geschäftslage im Winter hat sich im Vergleich zum Herbst nicht verändert. 18 Prozent der Unternehmen sehen die Lage als gut an (Vorquartal: 19 %), 54 Pro­zent (Vq. 52 %) sind zufrieden und 28 Prozent (Vq. 29 %) beurtei­len ihre Lage als schlecht. Stillstand herrscht auch bei den Erwartungen an die kommenden Monate: 12 Prozent der Unternehmen (Vq. 11 %) rechnen mit einer günstigeren Geschäftsent­wicklung, 58 Prozent (Vq. 59 %) erwarten gleichblei­bende Geschäfte und 31 Prozent (Vq. 30 %) rech­nen mit einer ungünstigen Ent­wicklung. Die stagnierende Entwicklung zeigt sich auch in den zurückhaltenden Investitions- und Personalplanungen.
Die Industrie hatte im vierten Quartal eine leichte Belebung des Geschäfts zu verzeichnen. Die Auftrags­eingänge haben in den meisten Industriezweigen erkennbar zugelegt. Die Investitions­güterhersteller (Automotive, Maschinenbau, Elektrotechnik) spüren eine Belebung des Auslandsgeschäfts. Die Auftrags­bestände sind bei vielen Industriebetrieben allerdings zum Jahresbeginn noch zu gering.
Die Bauwirtschaft zeigt nach wie vor unterschiedliche Entwicklungen. Der Hochbau und hier insbesondere der Wohnungsbau leidet unverändert unter Auf­tragsmangel. Der Tiefbau (Straßen, Brücken, Leitungen) berichtet dagegen seit längerem von einer guten Geschäftslage. Die Investitionen aus dem Sonder­vermögen der Öffentlichen Hand kommen erst allmählich in der Bauwirtschaft an, da zunächst Planungen, Ausschreibungen und Genehmigungen abgewickelt werden müssen.
Die Geschäftslage im Einzelhandel hat sich abgeschwächt. Besonders deutlich zeigt sich dies im Lebensmitteleinzelhandel, wo die Kundinnen und Kunden sehr preissensitiv reagieren und hochpreisige Markenprodukte durch billigere Alter­nativen ersetzen. Ebenfalls schwer unter Druck sind die Bekleidungsgeschäfte durch die internationalen Online-Wettbewerber. Für die kommenden Monate rechnet der Einzel­handel mit anhaltend schwachem Geschäft. Die Geschäfte des Großhandels stagnieren sowohl im Industriegeschäft als auch bei Konsum­gütern.
Das Frachtvolumen des Verkehrsgewerbe bleibt aufgrund der schwachen Industriekonjunktur unbefriedigend. Größere Veränderungen sind aus Sicht der Transportwirtschaft aktuell nicht absehbar. Das Hauptproblem der Verkehrs­unternehmen liegt gegenwärtig in den gestiegenen Arbeitskosten.
Das Gastgewerbe war mit den Übernachtungszahlen im vierten Quartal zufrie­den. Im Gegensatz dazu bleiben die Umsätze im Restaurationsbereich unter Druck. Für Beherbergung wie auch den Restau­rationsbereich wird trotz der erfolgten Umsatz­steuersenkung auf Speisen mit einer schwächeren Entwicklung gerechnet.
Gute Geschäfte melden die Finanzdienstleister. Bei den Kredit­instituten bleibt das Kreditgeschäft bei Privat- und Firmenkunden expansiv. Bei den Versiche­run­gen wachsen die Beitragseinnahmen und das Neugeschäft.
Im Dienstleistungsbereich zeigt sich die Geschäftslage im vierten Quartal auf niedrigem Niveau leicht verbessert. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Auftragslage und den Umsätzen. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen nur mit wenigen Veränderungen.
Ausblick
Der leichte Aufwärtstrend ist primär auf steigende Staatsausgaben zurückzu­führen. „Schulden-finanzierte Ausgaben können zwar das Wachstum 2026 allmäh­lich ankurbeln, aber keine Reformen ersetzen. Die Unternehmen brau­chen Entlastungen und keine neuen Belastungen“, sagte IHKN-Hauptgeschäfts­führerin Maike Bielfeldt.
IHK-Konjunkturklimaindikator für Niedersachsen
Der IHK-Konjunkturklimaindikator gibt die Einschätzung der Unternehmen der gegenwärtigen und der erwarteten Geschäftslage wieder.
Befragungszeitraum 11.12.2025 - 12.01.2026; 2151 Unternehmensantworten
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