Nahost-Konflikt belastet Tourismuswirtschaft in Niedersachsen
Hohe Kosten und Unsicherheit trüben die Aussichten
Hannover, 28.05.2026
Die wirtschaftliche Lage in der niedersächsischen Tourismuswirtschaft hat sich deutlich eingetrübt. Die Kombination aus hohen Kosten, zunehmender Preissensibilität der Gäste und internationaler Unsicherheit belastet die Branche. Das ist das Kernergebnis der aktuellen Saisonumfrage Tourismus der IHK Niedersachsen (IHKN).
Der Konjunkturklimaindex des Gastgewerbes, der die aktuelle Lage und die Zukunftsaussichten in einem Wert zwischen 0 und 200 Punkten zusammenfasst, ist auf 85 Punkte gesunken. Im Herbst 2025 lag er noch bei 105 Punkten. Nur noch 25 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“, während 27 Prozent ihre Lage als „schlecht“ einschätzen. Besonders pessimistisch fallen die Erwartungen für die kommende Saison aus: 39 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren Geschäftslage, nur 13 Prozent mit einer Verbesserung. Als größte Risiken nennen die Betriebe des Gastgewerbes die Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise (87 %), die Arbeitskosten (74 %) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (63 %).
Hauptursache für die trübe Stimmung bleibt der anhaltend hohe Kostendruck bei gleichzeitig wachsender Preissensibilität der Gäste. Viele Betriebe stoßen mit weiteren Preissteigerungen zunehmend an Grenzen. „Die Betriebe stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise sowie Arbeitskosten bleiben hoch, gleichzeitig reagieren Gäste deutlich sensibler auf Preise und schränken ihre Ausgaben stärker ein“, sagt Monika Scherf, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen.
Vor allem die Reisebüros und Reiseveranstalter blicken skeptischer auf die kommenden Monate. Der Klimaindex der Branche sank von 112 Punkten im Herbst 2025 auf aktuell nur noch 69 Punkte und liegt damit in etwa auf dem Corona-Niveau von Herbst 2021. Nur noch 23 Prozent bewerten ihre Lage als gut, während 29 Prozent sie als schlecht einschätzen. Fast 69 Prozent der Betriebe rechnen mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung. Die Reisebranche verzeichnet einen deutlichen Rückgang bei Buchungen und Umsätzen. Als größte Risiken sehen die Unternehmen steigende Energie- und Rohstoffpreise (66 %), wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (56 %) sowie die schwache Inlandsnachfrage (37 %).
„Die Reisebranche reagiert besonders sensibel auf internationale Krisen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher verschieben Buchungen oder entscheiden sich kurzfristiger, wenn Unsicherheit über die weltpolitische Lage besteht“, erklärt Scherf. „Steigende Flugpreise, höhere Energiekosten und die Sorge vor weiteren wirtschaftlichen Belastungen führen dazu, dass Reisen sorgfältiger abgewogen werden.“
Ein Gegenpol innerhalb der Tourismuswirtschaft bleibt die Campingbranche. Viele Campingplätze berichten weiterhin von einer stabilen Nachfrage. Preisbewusste und flexible Urlaubsformen innerhalb Deutschlands gewinnen an Bedeutung.
Dass die aktuelle Zurückhaltung der Gäste nur vorrübergehend ist, da ist sich Monika Scherf sicher. „Urlaub und Reisen haben für die Deutschen einen hohen Stellenwert und sind für viele fester Bestandteil der Lebensqualität. Sobald sich die geopolitische und wirtschaftliche Lage stabilisiert, ist deshalb mit einer wieder anziehenden Nachfrage und spürbaren Nachholeffekten zu rechnen. Niedersachsen ist mit seinen sicheren und vielfältigen Angeboten dafür sehr gut positioniert“, so Scherf.
METHODISCHER HINWEIS
Die IHKN-Saisonumfrage wurde vom 8. April bis zum 7. Mai 2026 durchgeführt. An der Umfrage beteiligten sich rund 400 Betriebe aus Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft sowie Reisebüros und Reiseveranstalter. Die niedersächsischen IHKs befragen halbjährlich ihre Mitgliedsbetriebe aus Beherbergung und Gastronomie sowie Reisebüros und Reiseveranstalter.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Elbe-Weser, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim sowie IHK für Ostfriesland und Papenburg. Sie vertritt mehr als 530.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.
