SaisonumfrageTourismus der IHKN Niedersachsen - Frühjahr 2020

Konjunkturumfrage im Zeichen von Corona

Klimaindex bricht ein – die Hälfte der Betriebe benötigt weitere finanzielle Hilfen


Die Tourismusbranche steht vor großen Herausforderungen. Nach einer Wintersaison, die mit der vorherigen vergleichbar ist, startete die Branche nicht wie gewohnt in die Saison, sondern in eine Zeit geprägt von Unsicherheiten, Reisebeschränkungen und behördlich angeordneten Schließungen. Der Klimaindex brach ein von zuletzt 127 Punkten auf 48,6 Punkte. 88,2% der Betriebe im Gastgewerbe gaben an, dass sich die Geschäftslage in der nächsten Saison voraussichtlich verschlechtern wird. Nur 4,1 Prozent erwarten eine günstigere Geschäftslage. Ein Großteil dieser Unternehmen gehört der Campingbranche an. Hier erwarten gut 30 Prozent eine günstige Entwicklung, nur 42,9 Prozent eine ungünstige. Der Klimaindex liegt in dieser Teilbranche dementsprechend bei 101,8 Punkten, was aber auch hier einen Rückgang von rund 45 Punkten bedeutet. Das geht aus der aktuellen Saisonumfrage der Hotel- und Gaststättenbetriebe in Niedersachsen hervor, die die IHK Niedersachsen (IHKN) zweimal im Jahr durchführt.
Auffällig ist auch die Preisentwicklung. Nur 24,1 Prozent der Befragten erwarten, dass die Preise in der nächsten Saison steigen werden. Das sind halb so viele wie dies in der letzten Umfrage angaben. 22,4 Prozent erwarten fallende Preise, im Vergleich zu 2,7 Prozent bei der Umfrage im Herbst 2019. Vor allem in der Beherbergung und hier besonders bei den Hotels Garnis gehen 27,1 bzw. 34,9 Prozent der Befragten von fallenden Preisen aus.
Die größten Risiken sehen die Unternehmen nun in wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (64,1%). Genauer nachgefragt zeigt sich, dass es hier vor allem um die Corona-Einschränkungen, die Angst vor einem erneuten Lockdown und Liquiditätsengpässe geht.  Auf Platz zwei folgen die Arbeitskosten (54,7%). Im Vergleich zu vorherigen Umfragen haben aber die Inlands- und Auslandsnachfrage (53,6% bzw. 41,1%) ebenso wie die Finanzierung (31,6%) stark an Bedeutung gewonnen. Der Fachkräftemangel dagegen rutschte von Platz eins auf Platz sieben der größten Risiken mit nur noch 29,7 Prozent.
Um die Liquiditätsengpässe und ausbleibenden Einnahmen überbrücken zu können, haben knapp 80 Prozent der Unternehmen Soforthilfe beantragt, fast die Hälfte benötigt nach eigener Aussage weitere finanzielle Hilfen. Das wirkt sich auch auf die zukünftigen Ausgaben aus. So gehen knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass sie in der nächsten Saison Personal abbauen werden. 56 Prozent planen derzeit keine Investitionen.  
Reisebüros und -veranstalter
Reisebüros und Reiseveranstalter bewerteten die zurückliegende Saison außergewöhnlich positiv. 67,2 Prozent und damit mehr als doppelt so viele wie bei der letzten Umfrage gaben an, dass die Geschäftslage gut war. 94,4 Prozent erwarten nun aber eine schlechtere Entwicklung. Der Klimaindex brach daher auch hier von zuletzt 97,7 auf 32,9 Punkte ein. Das wirkt sich auch auf die Investitionsplanung aus. Gut 80 Prozent gaben an, keine Investitionen zu planen. Mehr als die Hälfte der Befragten (51,3%) geht davon aus, Stellen abzubauen. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen 80,7 Prozent mit einem Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent. 61 Prozent gaben in Bezug auf die Corona-Pandemie an, weitere finanzielle Hilfen zu benötigen.
Camping
Die Campingbranche scheint mit einem blauen Auge davon zu kommen. Hier erwarten gut 30 Prozent eine günstige Entwicklung, 42,9 Prozent eine ungünstige. Der Klimaindex liegt in dieser Branche bei 101,8 Punkten. Die Inlandsnachfrage wird hier nicht als großes Risiko angesehen (8,8%), die Auslandsnachfrage dagegen wohl (66,7%). Auch planen 70 Prozent der Betriebe Investitionen, wenn auch in geringerem Umfang als zuvor. Ebenso gehen 26 Prozent davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten zunehmen wird. 29,5 Prozent gehen von abnehmenden Zahlen aus – halb so viele wie in der gesamten Branche.
Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID 19-Pandemie auf die Tourismuswirtschaft erscheint Mitte Juli ein Fokus Niedersachsen.
An der Umfrage beteiligten sich 522 Betriebe aus Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft sowie 122 Reisebüros und -veranstalter. Die niedersächsischen IHKs befragen halbjährlich Mitgliedsbetriebe aus Beherbergung und Gastronomie sowie Reisebüros und Reiseveranstalter. Wechselnde Zusatzfragen geben Auskunft über aktuelle Branchenthemen aus Sicht der niedersächsischen Tourismuswirtschaft.
*Hannover, 6.7.2020*