Wirtschaftliche Situation im Verkehrsgewerbe bleibt angespannt

Die wirtschaftliche Lage im niedersächsischen Verkehrsgewerbe bleibt auch 2026 angespannt. Das zeigt die aktuelle Umfrage der IHK Niedersachsen (IHKN) und des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) e. V., an der sich rund 140 Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen der Transportlogistik beteiligt haben. Bereits zum dritten Mal haben IHKN und GVN die Befragung gemeinsam durchgeführt. Die Rückmeldungen der Unternehmen verdeutlichen: Hohe Energie- und Personalkosten, der Fachkräftemangel, Infrastrukturprobleme und zunehmende regulatorische Anforderungen setzen die Branche erheblich unter Druck.
Die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Situation bleibt auf niedrigem Niveau. 13,1 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Lage als gut, 54,0 Prozent als befriedigend, und 32,9 Prozent schätzen ihre wirtschaftliche Situation als schlecht ein. Noch zurückhaltender fällt der Blick auf die kommenden Monate aus: Nur 10,9 Prozent erwarten eine Verbesserung, 42,0 Prozent rechnen mit einer unveränderten Entwicklung, und 47,1 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung aus.
Bei den Transportpreisen berichten 53,3 Prozent der Befragten von gestiegenen Preisen. 40,1 Prozent sehen keine Veränderung, während 6,6 Prozent gesunkene Preise feststellen. Die Freitextantworten machen jedoch deutlich, dass die Preissteigerungen vielfach nicht ausreichen, um die höheren Betriebs- und Energiekosten auszugleichen.
Die größten Herausforderungen sind die steigenden Treibstoffkosten, die von 80,4 Prozent der Unternehmen genannt werden. Es folgen steigende Personalkosten beziehungsweise der Mindestlohn mit 74,6 Prozent sowie der Fachkräftemangel mit 70,3 Prozent. Mehr als die Hälfte der Unternehmen beklagt außerdem Infrastrukturprobleme bei Straßen, Schienen und Häfen. Regulatorische Hürden nennen 48,6 Prozent, Mautkosten 43,5 Prozent der Befragten.
Auf die gestiegenen Treibstoffkosten reagieren die Unternehmen vor allem mit Preisanpassungen, Dieselzuschlägen und Preisgleitklauseln. Hinzu kommen Routenoptimierung, Kostensenkung, eine bessere Auslastung und Investitionen in alternative Antriebe. Gleichzeitig berichten zahlreiche Betriebe, dass notwendige Preissteigerungen am Markt nur eingeschränkt durchsetzbar seien. Die hohen Kosten führen daher zu sinkenden Margen, geringerer Liquidität und einer zunehmenden Zurückhaltung bei Investitionen. Fahrzeuge werden länger genutzt, Ersatzbeschaffungen aufgeschoben und geplante Investitionen teilweise gestrichen.
Stephanie Niemann, Landesgeschäftsführerin der Fachvereinigung Spedition und Logistik / Möbelspedition im Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) e. V., sagt: „Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, wie stark die Unternehmen inzwischen unter dem zunehmenden Kostendruck leiden. Treibstoff, Personal, Maut und immer neue Anforderungen verteuern die Leistungen, während die Preise am Markt vielfach nicht entsprechend angepasst werden können. Wir brauchen dringend verlässliche Rahmenbedingungen, faire Wettbewerbsbedingungen und spürbare Entlastungen, damit die Unternehmen leistungsfähig und wettbewerbsfähig bleiben.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage war das Thema Phantomfrachtführer: Betrüger, die sich als Spediteure ausgeben, Transportaufträge übernehmen, Waren unberechtigterweise abholen und anschließend unterschlagen. Mehrere Unternehmen berichten von konkreten Schadensfällen oder Betrugsversuchen. In einem Fall wurde ein Schaden in Höhe von 70.000 Euro genannt, ein weiteres Unternehmen berichtet von einem Schaden im sechsstelligen Bereich. Als Schutzmaßnahmen setzen die Betriebe insbesondere auf die sorgfältige Prüfung unbekannter Frachtführer, den Abgleich von Unternehmensdaten, die Kontrolle von E-Mail-Adressen und Telefonnummern sowie die Sensibilisierung der Disponenten. Die Unternehmen fordern eine bessere Strafverfolgung und eine intensivere Zusammenarbeit der Behörden.
Abschließend erklärt Felix Jahn, IHKN-Sprecher für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur: „Die Unternehmen brauchen jetzt vor allem Planungssicherheit und eine Politik, die ihre wirtschaftliche Realität berücksichtigt. Hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten, eine unzureichende Infrastruktur und zusätzliche Bürokratie treffen das Verkehrsgewerbe gleichzeitig. Bund und Land müssen deshalb Prioritäten setzen: Infrastrukturprojekte beschleunigen, Verwaltungsverfahren vereinfachen und die Unternehmen bei der Transformation unterstützen, ohne sie mit immer neuen Nachweis- und Berichtspflichten zu überfordern.“
Die Forderungen an die Politik liegen somit auf der Hand: Bürokratieabbau, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, schnellere Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren sowie eine Senkung beziehungsweise Begrenzung von Energie-, Kraftstoff-, Maut- und CO₂-Kosten stehen ganz oben auf der Agenda. Zudem verlangen die Unternehmen intensivere Kontrollen ausländischer Marktteilnehmer, insbesondere bei Kabotage sowie bei Arbeits- und Sozialvorschriften. Nur durch faire Wettbewerbsbedingungen könne die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Verkehrsgewerbes gesichert werden.
Die Umfrage wurde im Juni 2026 gemeinsam von der IHK Niedersachsen (IHKN) und dem Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) e. V. durchgeführt.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Elbe-Weser, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim sowie IHK für Ostfriesland und Papenburg. Sie vertritt mehr als 530.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.