IHKN mahnt: Ausbau und Ertüchtigung der Stromnetze jetzt angehen, damit Niedersachsen Windenergieland Nr. 1 bleibt

Zur aktuellen Debatte Verlangsamter Ausbau bei der Windenergie

Niedersachsen ist Windenergieland Nr. 1: sowohl in der „Produktion“ von Windstrom als auch bei der industriellen Produktion entsprechender Anlagen sowie der damit verbundenen gesamten Wertschöpfungskette. „Doch nur, wenn niedersächsischer Windstrom auch zum Verbraucher im gesamten Bundesgebiet gelangen kann, können wir diese Führungsrolle weiter ausfüllen“, stellt Dr. Susanne Schmitt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachen (IHKN) klar. „Deshalb muss das Stromnetz ausgebaut und optimiert werden. Dringender Handlungsbedarf besteht dabei sowohl beim Ausbau des Verteilnetzes als auch des Übertragungsnetzes von Nord nach Süd.“ Gerade letzteres hinkt dem ursprünglichen Zeitplan deutlich hinterher. Viel zu häufig müssen Erneuerbare noch abgeregelt werden, weil Netze fehlen oder überlastet sind. „Die Kosten dafür“, ergänzt Schmitt, „belasten die industriellen und privaten Stromverbraucher über die Netzentgelte. Fakt ist: Der Netzausbau ist zwar teuer, das Netz nicht auszubauen, ist aber noch teurer.“
Parallel zum Neubau von Leitungen muss das bestehende Stromnetz ertüchtigt werden. Die zügige Ausrüstung von Überlandleitungen mit netzoptimierender Technologie kann dazu beitragen, das Bestandsnetz effizienter zu nutzen, Überlastungen zu vermeiden und damit Eingriffe zu reduzieren. Außerdem müssen die Verteilnetze, die zunehmend die Funktion eines Einspeisenetzes für Erneuerbare übernehmen, an die neuen, wesentlich flexibleren Anforderungen technisch so bald als möglich angepasst werden.
„Wir fordern die Landesregierung deshalb auf, die Akzeptanz vor Ort zu steigern. Der Ausbau eines leistungsfähigen Netzes von Nord nach Süd ist deshalb unerlässlich“, ergänzt Dr. Jan Amelsbarg, IHKN-Sprecher Energiepolitik. Ohne vorhandene Netze kann ein weiterer Windenergieausbau nicht erfolgen. Darüber hinaus fordert die IHKN auch eine andere Regulierung, denn das aktuelle Regulierungssystem honoriert den Leitungsbau, aber nicht deren Optimierung und digitale Verstärkung durch Intelligenz.
Die im EEG 2016 festgelegten Ausbaugrenzen sind gleichbedeutend mit einem erheblichen Einschnitt in das bisherige Marktvolumen. Die Konsequenz ist, dass bereits im letzten Jahr in Niedersachsen mehrere hundert Arbeitsplätze bei mittelständischen Unternehmen der Windbranche verlorengegangen sind.
Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Aspekt ist, dass ein Ausbau der Windenergie eine Chance für die Entwicklung und Nutzung neuer Technologien bietet. Anstatt „Überschussstrom“ zu exportieren oder abzuregeln, könnte der Strom auch vor Ort genutzt werden. Eine solche Zukunftstechnologie ist beispielsweise die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff. Der Energieträger Wasserstoff kann auf diesem Weg CO2-neutral hergestellt, gespeichert und bei Bedarf flexibel in Strom oder Wärme umgewandelt werden.
Aktuell ist dieser energieintensive Vorgang der Elektrolyse aufgrund der hohen Strompreise jedoch unattraktiv. Die Befreiung des eingesetzten Windstroms von der EEG-Umlage könnte einen deutlichen Anreiz schaffen, in diese Technologie zu investieren.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, IHK für Ostfriesland und Papenburg sowie IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum. Sie vertritt rund 460.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.
*Hannover, 10.7.2018*