Landesprogramm zur Unterstützung des niedersächsischen Ausbildungsmarktes

Statement von IHKN-Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt


Die IHK Niedersachsen (IHKN) und die sieben niedersächsischen Industrie- und Handelskammern begrüßen, dass die Landesregierung angesichts der Lage aktiv wird und mit dem heute vorgestellten Landesprogramm die berufliche Bildung stärken möchte.
Das Maßnahmen-Paket schließt nahtlos an die langjährigen gemeinsamen Initiativen der Wirtschafts- und Sozialpartner zur Stärkung der Ausbildung an. Darüber hinaus ergänzen sie auch das Maßnahmen-Paket der Bundesregierung zur Stabilisierung der Ausbildungsmarkt-Situation von Anfang Juni. Die dort beschlossene Förderung der Schaffung von Ausbildungsplätzen und die Landesinitiative können wichtige Impulse setzen und auch Vertrauen nachfrageseitig schaffen. Das ist wichtig.
Nach einer aktuellen Unternehmensbefragung der niedersächsischen IHKs vom Juni 2020 gehen wir derzeit davon aus, dass unsere Unternehmen planen, weniger auszubilden. Das hat zwei Ursachen: 1. die Pandemiefolgen und 2. den Rückgang der Schulabsolventen, vor allem die Halbierung des Abiturjahrgangs infolge der Rückkehr zu G9. Über 80% der Unternehmen haben deutliche Umsatzverluste, bis zu 40 % planen, Personal zu reduzieren. Den Unternehmen fehlt die Zeit des Lockdowns genauso wie den Bewerberrinnen und Bewerbern. Einstellungs- und Vermittlungsaktivitäten haben sich verzögert, vieles war aufgrund der Schulschließungen nicht möglich. Das soll jetzt nachgeholt werden. Insofern ist die Vermittlungsoffensive aus dem Landesprogramm aus unserer Sicht ein ganz besonders wichtiger Baustein In der aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit werden für Niedersachsen derzeit immer noch mehr unbesetzte Ausbildungsstellen gibt, als dass es unversorgte Ausbildungssuchende gibt.
Deshalb sind wir der Landesregierung und dem Minister für das mit 18 Millionen Euro dotierte „Landesprogramm zur Unterstützung des niedersächsischen Ausbildungsmarktes“ sehr dankbar, damit Bewerber und Betriebe jetzt schnellstmöglich zusammenfinden.
Sehr positiv finden wir auch - und das wollen wir hier ausdrücklich ansprechen - , dass neben dem Digitalpakt Schule mit einem Volumen von  500.000.000 Euro auch ein Paket zur besseren digitalen Geräte-Ausstattung an Schulen im gleichen Volumen von Bund und Ländern auf den Weg gekommen ist.  Wir sind überzeugt, dass dies ungeheuer wichtig ist, da vermutlich auch im nächsten Ausbildungsjahr nicht alles wieder wie gewohnt läuft. Lehrer werden risikobedingt ausfallen, Abstände werden eingehalten werden müssen, Raum ist begrenzt und damit ist klar, dass wir verstärkt virtuelle Lösungen brauchen, die eigentlich auch mehr Ressourcen und noch mehr Know-how bei den Pädagogen voraussetzen. Diese Herausforderungen sind alle erkannt und der rechtliche Rahmen für die Durchführung von digitalem Unterricht wurde geschaffen. Daran gilt es jetzt anzuschließen. Das ist für die duale Ausbildung wichtig. Denn es gibt bereits eine Vielzahl von Berufen zum Beispiel in der Metall- und Elektroindustrie, in denen Digitalisierungs-Anforderungen in den Lehrplänen und der betrieblichen Ausbildung formuliert sind. Und das muss natürlich auch adäquat durch die Ausbildungspartner vermittelt werden.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, IHK für Ostfriesland und Papenburg sowie IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum. Sie vertritt rund 495.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.
*Hannover, 17.7.2020*