Geeignete Bewerber fehlen – 6.800 Stellen unbesetzt

IHKN-Ausbildungsumfrage 2018

Die Auswertung der aktuellen IHK-Ausbildungsumfrage für Niedersachsen zeigt: Die Unternehmen müssen im Vergleich zum Vorjahr noch mehr Anstrengungen unternehmen, Bewerber für ihre freien Ausbildungsplätze zu begeistern: Mehr als jedes dritte Unternehmen konnte nicht alle angebotenen Plätze besetzen (plus 1,6 Prozentpunkte). Im Schnitt blieb bei diesen Unternehmen ein Platz frei. Bei rund 20.000 niedersächsischen Ausbildungsunternehmen sind das ca. 6.800 nicht besetzte Ausbildungsplätze. Vor diesem Hintergrund appelliert Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen (IHKN): „Wir brauchen von Landesregierung und Kommunen künftig nicht nur ein klares Bekenntnis zur Stärkung der Dualen Ausbildung, sondern auch zusätzliche Taten. Die Ausstattung und Ausrichtung der Berufsschulen auf die Herausforderungen der Digitalisierung müssen absoluten Vorrang haben. Die Berufsschullehrernachwuchsgewinnung muss deutlich intensiver erfolgen und nicht zuletzt ist ein höheres Tempo beim Ausbau der Berufsorientierung an allen Schulformen, insbesondere an Gymnasien erforderlich“.
Die Gründe für die Nichtbesetzung von Ausbildungsstellen sind nach der Umfrage: 71 Prozent der Unternehmen mit Besetzungsproblemen gaben an, keine geeigneten Bewerbungen erhalten zu haben (Vorjahr: 66 Prozent). Bei 23 Prozent wurden die Verträge vorzeitig durch die Auszubildenden gelöst und in 22 Prozent der Fälle wurden die Plätze nicht angetreten. Jedes fünfte Unternehmen erhielt erst gar keine Bewerbungen.
Dabei rühren die Unternehmen vielerorts schon die Werbetrommel: 55 Prozent der Befragten bieten Praktika an und jeder zweite verstärkt sein Ausbildungsmarketing, um auf die Ausbildung im Unternehmen aufmerksam zu machen. 40 Prozent wollen neue Bewerbergruppen, wie zum Beispiel Studienabbrecher, erschließen und 26 Prozent der Unternehmen setzen auf Kooperationen mit Schulen. Für 23 Prozent ist die Integration von Flüchtlingen ein Weg, das Bewerberpotenzial zu erhöhen. Gut 14 Prozent der Unternehmen bilden bereits Geflüchtete aus und 17 Prozent der Befragten planen, in den nächsten zwei Jahren einen Flüchtling für die Ausbildung einzustellen. Das sind 9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr (8 Prozent). „Die Unternehmen tun bereits viel. Sie sind härter denn je im Wettbewerb um Nachwuchs und haben insofern nur die Möglichkeit, bei der Qualität der Ausbildung, der Qualifizierung ihres Ausbildungspersonals, der Arbeitgeberattraktivität und natürlich beim Marketing nachzulegen, wenn sie weiter erfolgreich bei der Nachwuchssicherung bleiben wollen“, so Volker Linde, Sprecher berufliche Bildung der Niedersächsischen Industrie- und Handelskammer (IHKN).
Fast jedes dritte Unternehmen stellt nach wie vor Ausbildungshemmnisse fest (minus 4,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Am meisten fallen die unklaren Berufsvorstellungen ins Gewicht, die von 84 Prozent der Befragten beobachtet werden. Dass sich die Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss trotz Übernahmeangebot für andere Unternehmen oder Bildungswege entscheiden, konstatiert fast jedes dritte Unternehmen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um fast 6 Prozentpunkte. 21 Prozent der Unternehmen empfindet die Entfernung zur Berufsschule als zu groß (Vorjahr: 16 Prozent). „Sollten Berufsschulangebote bei sinkenden Schülerzahlen räumlich noch mehr zusammengefasst werden, besteht die Gefahr, dass Betriebe gar nicht mehr ausbilden. Hier sind mindestens enge regionale Absprachen mit der Wirtschaft vor Ort notwendig“, bietet Dr. Schrage Gesprächsbereitschaft an.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, IHK für Ostfriesland und Papenburg sowie IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum. Sie vertritt rund 460.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung. 
*Hannover, 24.5.2018*