Nahost-Krise frisst sich tief in die niedersächsische Wirtschaft

Ergebnisse der aktuellen IHK-Blitzumfrage in Niedersachsen deutlich

Hannover, 21. April 2026
Die Lage im Nahen Osten bleibt weiter unübersichtlich und die wirtschaftlichen Folgen sind bereits jetzt dramatisch: eine aktuelle Blitzumfrage der sieben niedersächsischen IHKs zeigt starke Belastungen der niedersächsischen Unternehmen durch Lieferengpässe und steigende Preise in direkter Folge der Nahost-Krise.
„Die Nahost-Krise wirkt sich bereits jetzt negativ auf die Geschäfte von über 80 Prozent der Unternehmen aus; nicht nur in Form von höheren Energie- und Logistikkosten – sondern zunehmend auch durch Knappheiten bei wichtigen Vorprodukten, von chemischen Rohstoffen über Metalle bis hin zu Elektronik und Halbleitern,“ kommentiert Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen (IHKN). Sie warnt: „Was wir im Moment sehen, ist erst der Anfang!“ Über die nächsten Monate müsse man bedauerlicherweise damit rechnen, dass es bei vielen weiteren Produkten zusätzlich erhebliche Lieferschwierigkeiten geben werde.
Die Umfrageergebnisse im Einzelnen:

Nahost-Krise trifft die Wirtschaft in der ganzen Breite

82% der Unternehmen berichten, die Krise im Nahen Osten wirke sich negativ auf ihr Geschäft aus. Die höchste Betroffenheit verzeichnet das Verkehrsgewerbe: hier sind 95% negativ betroffen.
Die am häufigsten genannten negativen Folgen sind die gestiegenen Fracht- und Transportkosten (genannt von 76% der Unternehmen) und die gestiegenen Energiekosten (genannt von 73% der Unternehmen). Im Baugewerbe ist der negative Einfluss darüber hinaus auch bereits sehr stark in Form gestiegener Rohstoff- und Materialkosten spürbar (genannt von 84% der Unternehmen).
Die starken Preissteigerungen in diesen Bereichen lösen an anderer Stelle auch Verdrängungseffekte aus: im Gastgewerbe verzeichnen knapp zwei Drittel der Unternehmen Nachfrage- bzw. Auftragsrückgänge (63%).

Erste Knappheiten bestehen bereits – viele mehr werden folgen

Es herrscht derzeit noch keine flächendeckende Knappheit bei Rohstoffen und Vorprodukten – Knappheiten beklagen über alle Branchen hinweg 12 Prozent der Unternehmen. Am höchsten ist die Betroffenheit in der Industrie mit 18% von Knappheiten betroffenen Unternehmen.
Die Unternehmen nennen eine breite Palette von Produkten als knapp: Kunststoffe und Polymere in Roh- und in Verpackungsform; chemische Rohstoffe (Basis- und Feinchemikalien); rohölbasierte Produkte (Öle, Schmierstoffe, Bitumen), Düngemittel; Metalle und kritische Rohstoffe (Aluminium, Wolfram, Kupfer uvm); Elektronik und Halbleiter.
Viele dieser Produkte werden nicht unmittelbar aus der betroffenen Region importiert. Vielmehr zeigt sich in den Freitextantworten der Unternehmen jetzt schon eine Betroffenheit, die in den nächsten Wochen noch deutlich zunehmen dürfte: die Logistik ist, ausgehend von der Lage am Persischen Golf, inzwischen weltweit großen Verwerfungen ausgesetzt. Erhebliche Warenvolumen sind unterwegs „gestrandet“ – und inzwischen herrscht auch ein großer Mangel an Containern. Grund dafür ist die hohe Anzahl an Lieferungen, die nicht in ihren Bestimmungshäfen gelandet sind, sondern an anderen Orten zwischengeparkt wurden. Dieser Mangel verhindert oder verteuert wiederum neue Lieferungen.
Selbst wenn die Straße von Hormus sofort und dauerhaft geöffnet würde, werden noch etliche Monate vergehen, bis die Logistik wieder einigermaßen normal funktioniert. In der Zwischenzeit ist noch mit einem deutlichen Ansteigen von Knappheiten zu rechnen.

Die Reaktion der Unternehmen

Der preistreibende Effekt der Krise zieht sich große Kreise: 53% der befragten Unternehmen reagieren mit Preisanpassungen auf die Herausforderungen. Besonders stark werden Preiserhöhungen im Verkehrssektor (68% der Unternehmen), im Handel (66%), im Baugewerbe (61%) und in der Industrie (61%) eingesetzt.
Als zweithäufigste Maßnahme wurde die Verstärkung von Risikomanagement und Monitoring genannt (36%). Fast genauso oft nehmen Unternehmen eine Verzögerung von Projekten und Investitionen vor (34%).
Ungefähr ein Fünftel der Unternehmen erhöht die Lagerhaltung (22%) oder nimmt Anpassungen in der Lieferkette vor (19%).

Die Umfrage wurde im Befragungszeitraum 13. – 15. 4. 2026 durchgeführt. Teilgenommen haben 564 niedersächsische Unternehmen.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Elbe-Weser, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim sowie IHK für Ostfriesland und Papenburg. Sie vertritt mehr als 530.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.