Chinesische Konkurrenz erhöht den Wettbewerbsdruck für niedersächsische Unternehmen

IHKN fordert Augenmaß bei Eingriffen in den Wettbewerb

Ergebnisse der IHK-Umfrage in Niedersachsen

Der Wettbewerbsdruck chinesischer Unternehmen wird für viele niedersächsische Betriebe zunehmend zu einer Herausforderung. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern. Die Unternehmen fordern von der Europäischen Union ein entschlosseneres außenwirtschaftliches Auftreten und Maßnahmen gegen strategische Abhängigkeiten. Gleichzeitig steht ein Großteil der Unternehmen zusätzlichem Protektionismus skeptisch gegenüber und warnt vor mehr Bürokratie, steigenden Kosten sowie möglichen Gegenreaktionen auf internationalen Märkten.
„Die Ergebnisse zeigen, dass der Wettbewerb mit China für viele Unternehmen intensiver wird. Die Unternehmen erwarten von der Europäischen Union faire Wettbewerbsbedingungen im globalen Handel. Aber wir dürfen nie vergessen: Unsere Wirtschaft lebt von offenen Märkten und starken Exporten. Neue Eingriffe müssen deshalb sehr sorgfältig abgewogen werden“, kommentiert Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen (IHKN).
Chinesische Konkurrenz erreicht die niedersächsische Wirtschaft
Die Konkurrenz chinesischer Anbieter ist für viele Unternehmen längst Alltag. Insgesamt berichten 67 Prozent der befragten Unternehmen von einem zunehmenden Wettbewerbsdruck. Besonders hoch ist die Betroffenheit in der Industrie.

Noch stärker fällt der Wettbewerbsdruck bei Unternehmen aus, die Geschäftsbeziehungen nach China unterhalten: 86 Prozent der Exporteure nach China und 89 Prozent der Unternehmen mit eigenen Standorten in China spüren eine wachsende Konkurrenz.
Der Wettbewerb beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf den chinesischen Markt. Die Unternehmen erleben die Konkurrenz vor allem im Inland (60 Prozent) sowie im europäischen Binnenmarkt
(57 Prozent). Fast jedes zweite betroffene Unternehmen berichtet zudem von zunehmendem Konkurrenzdruck auf Drittmärkten außerhalb Europas.
Reaktion der Unternehmen

Die Unternehmen versuchen vor allem aus eigener Kraft gegenzusteuern. Sechs von zehn Unternehmen setzen auf Produktinnovationen, um sich gegenüber chinesischen Wettbewerbern zu behaupten. Die Hälfte reagiert mit Kostensenkungen. Knapp vier von zehn Unternehmen suchen verstärkt nach neuen Absatzmärkten. Investitionsverlagerungen oder ein Rückzug aus Geschäftsfeldern bleiben dagegen bislang die Ausnahme.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen somit, dass die Unternehmen vorrangig auf Möglichkeiten setzen, ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, um dem gestiegenen Wettbewerbsdruck aus China zu begegnen.
Erwartungen an die EU
Die größte Zustimmung erfahren Maßnahmen, die auf eine stärkere strategische Position Europas abzielen. Zwei Drittel der Unternehmen wünschen sich ein gemeinsames und koordiniertes außenwirtschaftliches Auftreten der Europäischen Union. Sechs von zehn Unternehmen sprechen sich zudem dafür
aus, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren. Fast die Hälfte befürwortet einen stärkeren Schutz kritischer Infrastrukturen.

Rund ein Drittel der Unternehmen fordert darüber hinaus stärkere handelspolitische Schutzmaßnahmen gegenüber China. Ebenso viele sprechen sich für einen erleichterten Zugang zu Innovationspartnerschaften aus.

Heterogenes Stimmungsbild hinsichtlich zusätzlicher Schutzmaßnahmen

Besonders differenziert fällt das Meinungsbild bei möglichen neuen handelspolitischen Eingriffen aus. Zwar stimmen 55 Prozent der Unternehmen der Aussage zu, die Europäische Union solle auch dann stärkere handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen einführen, wenn dadurch negative Folgen für das eigene Unternehmen entstehen könnten. Gleichzeitig lehnen 37 Prozent eine solche Linie ab.
Damit wird deutlich, dass die Unternehmen zwar den Handlungsbedarf gegenüber unfairen Wettbewerbsbedingungen erkennen. Gleichzeitig haben sie allerdings erhebliche Bedenken hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen. In der aktuellen europäischen Debatte gilt dies insbesondere für Instrumente, die Local-Content-Vorgaben oder zusätzliche Ursprungsnachweise vorsehen.
Viele Unternehmen befürchten steigende Bürokratiekosten, höhere Produktionskosten und handelspolitische Gegenreaktionen anderer Staaten. Für die niedersächsische Wirtschaft bleibt daher entscheidend, dass Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen gezielt wirken und nicht unbeabsichtigt neue Belastungen schaffen.
Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 20. Juli 2026 bis zum 10. August 2026 im Rahmen einer bundesweiten Befragung durchgeführt. Teilgenommen haben 259 Unternehmen aus Niedersachsen.
Die IHK Niedersachsen ist die Landesarbeitsgemeinschaft der IHK Braunschweig, IHK Elbe-Weser, IHK Hannover, IHK Lüneburg-Wolfsburg, Oldenburgischen IHK, IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim sowie IHK für Ostfriesland und Papenburg. Sie vertritt mehr als 530.000 gewerbliche Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.