Moderates Wachstum für 2017 erwartet

Nach einem unerwartet starken Jahresendspurt blickt die niedersächsische Wirtschaft grundsätzlich zuversichtlich in das Jahr 2017. Die Binnenkonjunktur bleibt stabil und auch die Exportwirtschaft zeigt sich trotz großer Unsicherheiten verhalten optimistisch. Insgesamt ist auch für 2017 von einem moderaten Wachstum in Niedersachsen auszugehen. Der IHK-Konjunkturklimaindikator für das vierte Quartal 2016 stieg aufgrund des Schubs in den letzten Monaten bei gleichbleibenden Geschäftserwartungen um zwei auf 112 Punkte (Vorquartal: 110). Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern bei über 1.700 Unternehmen.
 
Die Geschäftslage ist bei der großen Mehrheit der Unternehmen nach wie vor mindestens zufriedenstellend: Der Anteil der Unternehmen, die ihre derzeitige Lage als gut einschätzen, liegt bei 35 Prozent (Vorquartal: 32 %), während 56 Prozent (Vorquartal: 59 %) der Unternehmen ihre Lage als befriedigend bezeichnen. Die Erwartungen an die kommenden Monate bleiben ambivalent und deuten auf eine kaum veränderte Entwicklung hin: Jeweils 19 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer besseren bzw. schlechteren Geschäftsentwicklung (Vorquartal: 20 bzw. 21 %). 63 Prozent (Herbst: 59 %) erwarten eine etwa gleich bleibende Entwicklung.
 
Einige Fragezeichen stehen hinter dem erwarteten Auslandsgeschäft. Der schwache Euro und die langsame Erholung in der EU sprechen für eine Belebung bei den Exporten. Die weitere Entwicklung in zwei wichtigen Exportmärkten der niedersächsischen Industrie (Großbritannien, USA), die zusammen einen Anteil von 15 Prozent haben, ist jedoch ungewiss. Weitere Unsicherheiten bestehen hinsichtlich der Entwicklungen in Italien und der Türkei. Gleichwohl gehen die Unternehmen am Jahresanfang insgesamt von steigenden Exporten aus: 30 Prozent rechnen mit einem Zuwachs, 16 Prozent gehen dagegen von einem abnehmendem Auslands­geschäft aus.
 
Die Investitionen im Inland werden leicht zunehmen. Hauptmotiv für die Investitionen im Inland bleibt mit 65 Prozent vor allem der Ersatzbedarf. Produktinnovationen und Kapazitätserweiterungen haben mit jeweils 28 Prozent bei weniger Unternehmen eine Bedeutung. Zudem wollen die Unternehmen im Ausland mehr investieren. Die Zielregionen der deutschen Investitionen haben sich dabei gegenüber der Befragung im Vorjahr nicht wesentlich verändert: Unverändert 63 Prozent wollen in der Eurozone
investieren, erneut 24 Prozent in Nordamerika und 21 Prozent (Vorjahr: 28 %) in China. Hauptzweck der Investitionen wird der Vertrieb und Kundendienst (58 %) sein.
 
Die größten Risiken für die Geschäftsentwicklung im Jahr 2017 stellen aus Sicht der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (48 %) und der Fachkräftemangel (43 %) dar. Weitere Risiken sehen die Unternehmen in der Inlandsnachfrage (38 %), den Arbeitskosten (35 %) und den Energie- und  Rohstoffpreisen (32 %).
Die Industrie berichtet nach dem schwächeren Herbst für das vierte Quartal von einer zufriedenstellenden Geschäftslage. Die Auftragseingänge haben sich im Vergleich zum Vorquartal verbessert. Gleiches gilt für die Umsätze im In- und Ausland. Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung in 2017 sind zu Jahresbeginn verhalten optimistisch, dies zeigt sich auch in den Exporterwartungen.
 
In der niedersächsischen Kfz-Industrie und bei den Zulieferern stagniert die Entwicklung auf hohem Niveau. Während sich die Auftragseingänge für die kommenden drei Monate verbessert haben, haben sich die Geschäftserwartungen an das Jahr 2017 insgesamt deutlich verschlechtert.
 
Der Boom der Bauwirtschaft geht weiter. Steigende Auftragseingänge und Preise zeugen von den unverändert guten Geschäften der Branche. Solange die Zinsen niedrig bleiben, die stabile Wirtschaftsentwicklung andauert und die Steuereinnahmen der öffentlichen Auftraggeber steigen, wird die Nachfrage im Hoch- und Tiefbau aufgrund des Nachholbedarfs weiter steigen.
 
Der Einzelhandel hatte ein gutes viertes Quartal und der Facheinzelhandel war mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden. Unterhaltungselektronik, Bekleidung, Möbel/Einrichtungsgegenstände und nicht zuletzt Uhren/ Schmuck waren die Favoriten der Kunden in den letzten Wochen des Jahres 2016. Allein die Schuhgeschäfte sind nicht zufrieden. Im laufenden Jahr wird der Konsum aufgrund steigender Einkommen leicht zunehmen. Für den Großhandel ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Nach einem guten Jahr sind die Aussichten für 2017 eher verhalten. Sowohl der Produktionsverbindungshandel zur Industrie als auch die Konsumgüterhändler rechnen nicht mit größerem Wachstum.
 
Die Geschäftslage im Verkehrsgewerbe zeigt sich nach den schwachen Umfragewerten des Herbstes erholt. Trotzdem sind die Spediteure für 2017 nicht optimistisch. Beim Beförderungsvolumen wird zwar mit leichten Zuwächsen gerechnet, die wieder anziehenden Dieselpreise führen allerdings zu höheren Kosten.
 
Licht am Ende des Tunnels sehen die Banken. Der erste Zinsschritt in den USA lässt auf eine langsame Normalisierung des klassischen Bankgeschäfts hoffen. Die Erwartungen der Banken haben sich jedenfalls vom Tiefpunkt kommend merklich erholt. Die Dienstleistungsunternehmen berichten weiterhin von guten Geschäften und gehen auch für 2017 von moderatem Wachstum aus. Die Beschäftigung wird vor allem bei den unternehmensbezogen Dienstleistern (IT, Beratung, Werbung, Zeitarbeit) zunehmen.
 
Ausblick:
Niedersachsen wird auch 2017 moderat wachsen, getragen von der Inlandsachfrage. Das Exportgeschäft wird sich, sofern keine politisch motivierten Rückschläge hinzunehmen sind, positiv entwickeln. Allerdings ist die gute Beschäftigungsentwicklung in Niedersachsen 2016, anders als im Bund, zum Stillstand gekommen. Dies geht mit geringerem Wachstum in Niedersachsen einher. Wir gehen auch für 2017 davon aus, dass sich die unterdurchschnittliche Entwicklung im Bundesvergleich fortsetzt. Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der federführenden IHK Hannover: „Wir rechnen mit einer soliden Entwicklung. Große Sprünge sind allerdings nicht zu erwarten. Realistisch ist für Niedersachsen ein Wachstum von einem Prozent.“
Konjunktur in Niedersachsen auf einen Blick (4. Quartal 2016)
Der IHK-Konjunkturklimaindikator gibt die Einschätzung der Unternehmen der gegenwärtigen und der erwarteten Geschäftslage wider.
*Hannover, 17.01.2017*